Auf einem Fußballplatz halten sich Mädchen an den Händen und laufen auf die Kamera zu. In der Mitte ihr Trainer Till Hofmann.

Mädels an (den neuen Freund), den Ball!

30. April 2026

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Das Schuljahr 2025/26 lief an. Donnerstags fand, wie üblich, zwischen 14:15 und 16 Uhr die Fußball-AG der Grundschule am Wasserturm, angeleitet von stja-Mitarbeiter Till Hofmann, statt. In den vorherigen Schuljahren nahm dort zumeist maximal eine Schülerin teil. Diese durfte oftmals Übereifer, überkochende Emotionen und die Gedankengänge der Jungs, es ginge bei jedem Spiel um die Champions League sowie um Leben und Tod, „erleben, wahrnehmen und genießen“!

Im aktuellen Schuljahr probierten bis zu drei neue Drittklässlerinnen die Fußball-AG aus. Leider änderte sich wenig durch die Teilnahme weiterer, nun bis zu vier Mädchen: für die Jungs, für die ging’s immer noch um die Champions League, jedes Spiel war ein Finale, sportlich wie emotional. Sich messen – das mögen die Rabauken nun einmal! Und der Ball – nun ja, der war für die Mädchen irgendwie ein (noch) ungewohntes Sportgerät, das mit dem Kopf oder den Füßen gespielt werden kann, prall aufgepumpt aber irgendwie auch wehtut und in so manch Situation mehr „Feind“ als Freund war! Das Fußballspiel war schnell, rasant, körperlich und temperamentvoll! Die Jungs, die gaben den Mädels leider auch nicht den Ball oder integrierten sie ins Spiel! Wegducken oder in sichere Räume fernab des Spielgeschehens platzieren, und damit nicht am sportlichen Geschehen partizipieren – das schienen oft die einzigen, aber wenigstens sicheren Alternativen – irgendwie doof!

All dies nahm auch der AG-Leiter wahr und wendete sich mit allem Erlebten zunächst an seine Einrichtungsleiterin Yasemin Kocaoglu, dann ans restliche stja-Wasserturmteam! Eine Lösung muss her. Kreativität, Flexibilität und Ideenreichtum, drei generell die stja-Arbeit im Ganztag am Wasserturm auszeichnende Eigenschaften, waren gefragt und es folgte eine Bedingungsanalyse:

Wie und wann ist Fußball nur für Mädchen, die bis auf eine Schülerin Anfängerinnen sind, möglich? Welche Klassen als Zielgruppe werden gewählt? Wie können die Schülerinnen möglichst viel (Fußball) lernen und für sich selbst mitnehmen? Welche Art von Angebot mit welchem Setting muss geschaffen werden, um einen geschützten Raum und Rahmen (für Mädchenfußball) zu schaffen? Wie können die Mädchen gefördert werden? Wie erfolgt die Kommunikation „nach außen“ an die Eltern?

Die Köpfe fingen an zu rauchen: die Freitagsbetreuung zwischen 13 und 16 Uhr mit der Zielgruppe Mädchen der 2. bis 4. Klassen; Organisation über das schuleigene Portal; Verbissenheit, Ehrgeiz und Erfolg sollten untergeordnete bis unsichtbare Rollen spielen; der Fußball-Mädchentreff sollte auf den Prinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit beruhen: Freiwilligkeit, Offenheit & Partizipation! Die Mottos „Etwas erleben und Neues entdecken“ sowie natürlich der Spaß sollten sichtbar gemacht werden! Schnell wurden Lösungen gefunden, die für alle Kolleg*innen d’accord waren!

Im zweiwöchentlichen Rhythmus freitags ab dem 12.12.25, testweise erstmal bis zu den Faschingsferien Mitte Februar 2026 an vier Terminen, wurde also in der Schulsporthalle der Fußball von der Pike auf in 90 Minuten bei einem richtigen Training, wie im Sportverein, „gelernt“: Ballschule – damit dieser Ball, der oftmals weh tat, vom Feind zum Freund avanciert – Schießen, Dribbeln, Technik und kleinere Wettkampfspielchen! Es wurde gelacht und gejubelt, so manches Mal aber auch diskutiert und sich gefragt: Wie läuft so ein Fußballspiel nochmals ab? Wieso gibt es jetzt eigentlich Freistoß oder Eckball? Schnell war allen Mädels klar: Das Runde muss ins Eckige! Till Hofmann, unterstützt von einer ehemaligen, nun Teenagerin und ehrenamtlichen Schülerin sowie dem Schul-FSJler, merkten: Fußball macht den Wasserturmkickerinnen (gesamt um die 20 Teilnehmerinnen) Spaß, bereitet ihnen Freude und das Angebot soll in der Zukunft weiter bestehen. So wurde an drei weiteren Freitagen bis zum 24. April trainiert, gemeinsam Fußball erlebt, „die schönste Nebensach der Welt“ mit all ihren Facetten entdeckt und gemerkt: Der Ball ist unser Freund!

Und dann kam DER GROßE TAG des Fußball-Entdeckens und -Erlebens! Mit gleich zwei Mannschaften à acht Spielerinnen wurde am Mittwoch, 29.4.26, ab 14:30 Uhr auf dem Sportgelände des SVK Beiertheim, am Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia – Fußball an Grundschulen“ teilgenommen! „Gegnerinnen“ – nein, die gab es eigentlich nicht so richtig – Es gibt einfach auch noch andere fußballbegeisterte Schülerinnen, zum einen die der Anne-Frank-Schule aus Oberreut, zum anderen die der Lindenschule aus Eggenstein! Diesen standen den beiden Wasserturmteams nun gegenüber und das bis dahin Gelernte konnte in der Praxis, jetzt mit Wettkampfsetting, angewendet werden. Auch wenn am Ende „nur“ der dritte und vierte Platz heraussprang und die Qualifikation für die zweite Runde knapp verpasst wurde, konnten beide Wasserturmteams je ein Spiel gewinnen und somit wurden, neben dem Sammeln von Erfahrung, große Erfolgserlebnisse verbucht: das nur aus 3b-Schülerinnen bestehende eine Wasserturmteam schaffte einen 2:1-Sieg gegen die Lindenschule Eggenstein, die am Ende den ersten Platz belegte und eine Runde weiter ins RP-Finale kam. Das andere Wasserturmteam, gemischt aus Mädchen der zweiten bis vierten Klassen, schaffte einen 3:0-Erfolg gegen das 3b-Wasserturmteam. Somit verbuchten am Ende beide Mannschaften einen Sieg. Das Motto „dabei sein ist alles“ schwebte sichtbar über diesem lehr- und erlebnisreichen Fußballtag! 

Fazit: Gespannt und hoffnungsvoll kann in die Zukunft des Mädchenfußballs in der GTGS am Wasserturm sowie der Vereinbarkeit mit dem Arbeitsalltag im Schulleben geblickt werden. Viele Mädels haben Blut geleckt, so die ersten Reaktionen tags drauf von den Eltern. Show must go on! Nächstes Jahr kommen wir wieder und greifen nochmals an! Dann nicht mehr als Anfängerinnen, denn dann ist der Ball unser allerbester Freund! Gute Freunde kann schließlich niemand trennen. Und coole neue rote Nike-Schultrikots vom Förderverein, vielen Dank an dieser Stelle, haben wir dann auch, denn die kamen einen Tag nach Jugend trainiert für Olympia.

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