Geburtstagsspecial: Vollversammlung als Jubiläumsauftakt – „Demokraten fallen nicht vom Himmel“
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75 Jahre Engagement für Kinder und Jugendliche: Der stja feierte bei der diesjährigen Vollversammlung am 12. März 2026 den Auftakt seines Jubiläums mit einem emotionalen Rückblick von Zeitzeugen, vielen beeindruckenden Meilensteinen und einigen Anekdoten.
Die Erziehung zu Demokratie und Toleranz war der Ursprungsgedanke, aus dem heraus die Amerikaner nach dem zweiten Weltkrieg in Karlsruhe die Jugendverbände finanziell unterstützten. Aus dem Zusammenschluss dieser Jugendverbände entstand 1951 der Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe (stja). Daher nahm der stja die diesjährige Vollversammlung zum Anlass, das Jubiläum 75 Jahre stja einzuläuten. An 75 Tagen werden nun bis zum 25. Mai unterschiedliche Geburtstagsspecials geboten.
Die etwas andere Vollversammlung wurde von Martin Wacker moderiert und bot eine emotionale Zeitreise durch 75 Jahre Geschichte und gelebte Verantwortung für junge Menschen. „Der Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe ist nicht nur eine Zahl, das sind viele Ehrenamtliche und Hauptberufliche, die sich in unzähligen Projekten dafür einsetzen, den Kindern und Jugendlichen Gehör zu verschaffen und ihnen die Möglichkeit zur freien Entwicklung zu geben“, meinte Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz bei der Begrüßung. Meilensteine in der Geschichte des stja gab es viele: 1954 wurde das Anne-Frank Haus eröffnet, gemeinsam mit Durlach das erste Jugendhaus in Karlsruhe. 1962 kam mit Baerenthal ein wichtiger Ort der Verständigung zwischen den beiden einst verfeindeten Nationen Deutschland und Frankreich zustande. 2011 wurde die erste Jugendkonferenz als Beteiligungsplattform für Jugendliche initiiert. Dazwischen gab es das Fest, Spielaktionen, den roten Mobi-Bus, Ferienangebote, die Computerschule, ein queeres Jugendzentrum, Ganztagesbetreuungsangebote, das Beonetzwerk, um Jugendliche beim Übergang in den Beruf zu begleiten, um nur einige zu nennen.
Begleitet von Musikstücken, welche das jeweilige Jahrhundert prägten, kamen Zeitzeugen (allesamt aus dem Vorstand des stja) auf die Bühne. Martin Wacker gab unterhaltsam die wichtigsten gesamtpolitischen Veränderungen und Wendepunkte des einzelnen Jahrzehntes zum Besten. Anschließend berichteten die Zeitzeugen im Gespräch mit stja Geschäftsführer Daniel Melchien von ihrer Zeit beim stja und den jeweiligen Veränderungen.
- Wolfgang Grimberg war der Erste und stand für die 50er und 60er Jahre auf der Bühne. Als Pfadfinder kam er selbst zum stja und erinnert sich noch gut an den Erziehungscharakter, den das Anne-Frank Haus damals ausströmte. Wie wichtig die Jugendverbände zur Demokratiebildung sind, machte er in seinen Erinnerungen deutlich und betonte, wie schnell junge Menschen in der Gruppe lernen, Verantwortung zu übernehmen.
- In den 70ern sind dann die meisten Kinder- und Jugendhäuser entstanden. Peter Scheuble kam auf die Bühne und erzählte unter anderem vom ersten roten Mobi-Bus.
- In den 80ern erinnert sich Irene Moser an die Umweltbewegungen und die Eröffnung des ersten Aktiv-Spielplatzes sowie den Beginn des Fanprojektes.
- Harald Denecken kam für die 90er und plauderte aus dem Nähkästchen: „Du musch halt nahgehn, wo sie sind“ habe er den Sozialarbeiten mit auf den Weg gegeben, als diese sich darüber beschwerten, dass die Jugendlichen nicht mehr in die Häuser kämen. Auch beim Fanprojekt war Denecken im Einsatz, nach dem Motto: Komm lass uns schwätzen. Der Austausch, gerade auch mit Menschen anderer Meinung, stand im Vordergrund.
- Für die 2000er kam Hubert Resch und berichtete unter anderem vom letzten Fest unter der kompletten Trägerschaft des stja sowie seinem ersten Anzug, den er OB Gerhard Seiler verdankte.
- Natascha Roth gab für die 2010er einen kurzen Abriss der Debatte um die Ganztagsschule versus Recht auf freies Spiel. Abschließend sprach Sarah Pich, die gemeinsam mit Marco Dawid, dem aktuellen Vorstand vorsteht, über die derzeitigen Herausforderungen, die bereits mit der Pandemie begannen und sich über Krieg und Haushaltssperren in die Gegenwart ziehen. Gerade in den heutigen schwierigen politischen Zeiten seien die Jugendverbände, die nah dran und vor Ort sind, wichtiger denn je. Daher wünschen sich die beiden Vorsitzenden auch möglichst keine finanziellen Einbußen sowie weitere Verbände, die dem stja beitreten, damit die Stimmen der jungen Menschen noch stärker gehört werden.
In atemberaubendem Tempo verlas Wacker abschließend die kommenden Jubiläumshighlights bevor der Abend unter den Klängen von „Happy Birthday“ bei Häppchen, Sekt und Kaltgetränken sehr kommunikativ ausklang.